Technologiebewertung im Gesundheitswesen: Kommission fördert Kooperation zwischen Mitgliedstaaten

By Dental Tribune International
May 03, 2018

BRÜSSEL, Belgien: Die Health Technology Assessment („HTA“, Technologiefolgenabschätzung im Gesundheitswesen) ist ein unabhängiges, objektives und nachweisbasiertes System zur Beurteilung des Mehrwerts neuer medizinischer Technologien. Auf EU-Ebene wird die Bewertung seit den Achtzigerjahren durchgeführt und schließt alle medizinischen, sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekte ein. Aufgrund einer Reihe von Mängel sah sich die Europäische Kommission jedoch gezwungen, einen neuen Vorschlag für mehr europäische Kooperation in Bezug auf die HTA auf den Weg zu bringen.

Ziele der HTA
Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass der Ausdruck „Technologie im Gesundheitswesen“ breit aufzufassen ist und verschiedene Elemente des Gesundheitswesens vereint, d. h. innovative Medikamente, medizinische Geräte und Verfahren sowie Maßnahmen zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen. Das Ziel der Europäischen Kommission besteht darin, mithilfe der HTA sichere, wirksame und patientenorientierte medizinische Richtlinien zu gewährleisten und die Abstimmung zwischen den Mitgliedstaaten durch Bereitstellung einer wissenschaftlichen Evidenzgrundlage für die klinische Bewertung zu verbessern. Die HTA ist außerdem wichtig für die verschiedenen Mitgliedstaaten, weil sie die Nachhaltigkeit ihrer Gesundheitssysteme sichert und Innovation fördert. Aufgrund verschiedener Schwachpunkte konnte die HTA in ihrer bisherigen Form jedoch nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Mehr Kooperation erforderlich
Da die europäische Kooperation im Hinblick auf die HTA derzeit projektabhängig und freiwillig ist, blieben einige Probleme ungelöst. Unterschiedliche HTA-Methoden in den EU-Ländern haben sich negativ auf Innovationen ausgewirkt, die Transparenz gegenüber Patienten beeinträchtigt und oft Doppelarbeit für die nationalen HTA-Stellen verursacht. Die mangelnde Planungssicherheit und die höheren Kosten für die Branche behinderten letztlich die reibungslose Einführung innovativer Technologien auf den Binnenmärkten der Mitgliedstaaten. Außerdem wird die europäische Kooperation bei der HTA durch kurzfristige Finanzierungsmodelle erschwert, da diese mit jedem Finanzzyklus neu verhandelt werden und damit eine effektive Zusammenarbeit langfristig unmöglich machen.

Neuer Vorschlag
Am 31. Januar dieses Jahres nahm die Europäische Kommission einen Entwurf an, der eine nachhaltige, effektive und kooperative Bewertung auf EU-Ebene fördern soll. Die Regulation on Health Technology Assessment soll es den Mitgliedstaaten ermöglichen, einheitliche HTA-Verfahren auf EU-Ebene anzuwenden. Folglich können gemeinsame HTA-Stellen den Schwerpunkt auf die klinische Bewertung der innovativsten Technologien mit der größten Relevanz für Patienten setzen und gleichzeitig vielversprechende Technologie im Gesundheitswesen frühzeitig bewerten. Außerdem werden sich die HTA-Behörden mit Entwicklern aus verschiedenen Mitgliedstaaten abstimmen können. Die Mitgliedstaaten werden außerdem in der Lage sein, die freiwillige Kooperation in neuen Technologiebereichen fortzusetzen. Die nichtklinischen Aspekte der HTA werden durch die Verfahren allerdings nicht abgedeckt, sodass die einzelnen Mitgliedstaaten weiterhin für die sozialen, ethischen und wirtschaftlichen Aspekte wie Preise und Vergütung zuständig sind.

Zunächst wurde der Entwurf für eine erste Lesung an das Europäische Parlament und den Rat übermittelt. Wird er angenommen, stehen den Mitgliedstaaten transparentere Informationen zur Verfügung, auf die sie ihre Gesundheitspolitik stützen können. Darüber hinaus würde der Vorschlag einen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit leisten, indem er transparente Informationen zum Mehrwert von Technologien im Gesundheitswesen gewährleistet. Und schließlich müssten sich Hersteller nicht mehr an unterschiedliche nationale Verfahren anpassen, was die Einführung innovativer Technologien im Gesundheitswesen auf den Binnenmärkten erleichtern würde. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bevölkerung in den europäischen Staaten immer älter wird und chronische Erkrankungen auf dem Vormarsch sind, wird dieser Vorschlag den Anforderungen der Zeit gerecht.

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