Interview: „Ich bin stolz darauf, dass unsere Mitglieder in der VGT weiterhin einen Mehrwert sehen“

By Dental Tribune International
April 27, 2018

Die 1952 in Utrecht gegründete Nederlandse Vereniging van Groothandelaren in de Tandheelkundige branche (VGT) ist seit 65 Jahren die offizielle Organisation für Dentalhändler in den Niederlanden. Seit 1990 wird die VGT von ihrem geselligen Geschäftsführer Ed Kolsteeg geleitet, der mit Dental Tribune Online über die Entwicklung, Herausforderungen und Bedeutung des Verbands für die Mitglieder sprach. „Wir haben 23 Mitglieder“, beginnt Kolsteeg. „Es waren einmal vierzig, doch diese Zahl ist durch eine Reihe von Übernahmen geschrumpft. Nehmen wir Henry Schein. Was heute ein einziges Mitglied ist, waren früher 15. Durch die Entstehung der ersten Versandunternehmen in den Achtzigerjahren gab es leider auch ein paar Insolvenzen. In gewisser Weise war das Jahr 1990 dann ein Wendepunkt für die VGT. Bis dahin führten wir zwar Fachgespräche mit den unterschiedlichen Geschäftsleitungen, doch ab 1990 traten wir als professioneller Berufsverband auf.

Was sind die wichtigsten Aufgaben der VGT?
Unsere Hauptaufgabe besteht darin, unsere Mitglieder nach und nach in mundgerechte Stücke über neue Gesetze zu informieren, die für die niederländischen Dentalhändler relevant sind. Natürlich werden ständig Gesetze erlassen, doch nur wenige gelten für Dentalhändler. Ein Beispiel ist das unglaublich komplexe Arzneimittelrecht (Geneesmiddelenwet). Obwohl Dentalhändler mit Dentalmedikamenten nur einen kleinen Anteil abdecken, fallen diese Produkte in den gesamten Geltungsbereich des Gesetzes. Im Grunde informieren wir unsere Mitglieder darüber, welche neuen Verordnungen und Richtlinien für sie gelten. Sie verlassen sich auf diese Informationen, die eine Reihe von Themen betreffen, z. B. Radiografie, Gefahrengüter, Umwelt und Wartungsrichtlinien. Unser Hauptziel besteht darin, dass die Unternehmen dieselben Gesetze umsetzen, sodass unsere Endnutzer - die Zahnmediziner - wissen, dass sie das Richtige tun. Darum schicken wir jedes Jahr mehr als 500.000 Sicherheitsdatenblätter für unsere Produkte an die Endnutzer.

Jedes Jahr treiben wir in Gerichtsverfahren Hunderte unbezahlte Rechnungen für unsere Mitglieder ein. Außerdem verhandeln wir im Namen unserer Mitglieder mit verschiedenen Ministerien. Der Vorteil eines Berufsverbands besteht darin, dass wir in direkten Dialog mit der Regierung treten können. Dies ist für die Regierung natürlich von Vorteil, da sie sich nicht mit 23 einzelnen Unternehmen auseinandersetzen muss. Insgesamt sind wir aus meiner Sicht einer der aktivsten Berufsverbände für Dentalhändler in Europa.

Worin besteht die größte tägliche Herausforderung für die VGT?
Unsere größte Herausforderung ist an sich etwas widersprüchlich. Einerseits möchte sich jedes Mitglied von seiner Konkurrenz abgrenzen. Andererseits können wir für unsere Mitglieder nur etwas bewirken, wenn sie die Vorschriften einheitlich umsetzen. Die VGT strebt so viel Einheitlichkeit wie möglich - bei Liefer- oder Verkaufsbedingungen usw. - an, damit wir jedem einzelnen Mitglied effizient helfen können. Glücklicherweise sind Vertrauen und Kooperation unter den VGT-Mitgliedern besonders ausgeprägt; darum ist der Anteil der unbezahlten Rechnungen auch sehr gering. Dieses gegenseitige Vertrauen haben wir über Jahre hinweg aufgebaut, und ich kann Ihnen versichern, dass es sehr gut läuft.

Welche Trends sehen Sie als Berufsverband im niederländischen Dentalhandel?
Da wir den Umsatz unserer Mitglieder im Blick behalten, können wir sehen, wie ihr Gesamtumsatz in Krisenzeiten schwankt. Ist dies bei einigen Produkten der Fall, bei anderen jedoch nicht, kann man daraus Schlussfolgerungen ziehen. Neben den Akquisitionen der Dentalhändler, die inzwischen ein stabiles Niveau erreicht haben dürften, ist die Kettenbildung ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren in den Niederlanden entwickelt hat. Investoren kaufen Zahnarztpraxen auf, investieren Geld und erwarten natürlich, dass sich ihre Investition irgendwann auszahlt. Ich sehe auch, dass einige dieser Ketten nun in andere europäische Länder expandieren. Dadurch hat sich die Zahnmedizin aus Perspektive des Zahnarztes definitiv verändert; er ist nicht mehr unabhängig, sondern von einem monatlichen Gehalt abhängig. Dentalhändler müssen von dieser Entwicklung nicht unbedingt betroffen sein. Allerdings ist eine Kette, die Hunderte Zahnarztpraxen verwaltet, ein großer Käufer. Dieser kann mit Blick auf die Preise und Preisreduzierungen Druck auf den Händler ausüben. Bisher ist die Zahl dieser Ketten aber noch relativ gering.

Natürlich gibt es auch einige andere Entwicklungen in der niederländischen Zahnmedizin. Eine Debatte betrifft aktuell die Stellung des Dentalhygienikers im Hinblick auf die Zahngesundheit. Dentalhygieniker dürfen bei Primärkaries Bohrungen und Füllungen vornehmen, was jedoch auch Probleme für den Zahnarzt mit sich bringt. Eine weitere Entwicklung war das Experiment freier Preise in der Zahnpflege. Das Experiment war auf drei Jahre angelegt, wurde aber bereits nach vier Monaten vom Parlament beendet. Natürlich führt ein solches Experiment zu großer Unzufriedenheit. Darum zahlen Patienten nun wieder amtlich festgelegte Preise, ganz gleich ob sie sich einen Zahn in Amsterdam oder in Maastricht ziehen lassen. Dieses Experiment ist beispielhaft für eine Entwicklung, die unsere Dentalhändler überhaupt nicht betraf, da es lediglich um das Einkommen der Zahnarztpraxen ging. Zu guter Letzt ist noch die zunehmende Bedeutung der digitalen Zahnmedizin zu nennen; dies gilt jedoch für ganz Europa.

Was bedeutet die Mitgliedschaft in der Association of Dental Dealers in Europe (ADDE) für die VGT?
Uns mit Fachkollegen darüber auszutauschen, wie wir mit Problemen umgehen (und umgekehrt), ist sehr hilfreich für uns. Auf diese Weise erfahren wir mehr über rechtliche Entwicklungen in anderen Ländern, was oft bedeutet, dass eine ähnliche Entwicklung auch in den Niederlanden zu erwarten ist. Darüber hinaus erhalten wir Informationen von der Rechtsberatungsfirma contrast, die die ADDE in EU-rechtlichen Fragen berät. Da die Auslegung und Anwendung von Gesetzen europaweit unterschiedlich ist, sollte die ADDE aus meiner Sicht vor allem eine beratende anstelle einer steuernden Rolle einnehmen.

Welche Höhepunkte gab es für die VGT?
Davon gab es schon einige. Nach einem Gespräch im Gesundheitsministerium war es mein persönliches Highlight, als ich einen vom Minister unterzeichneten Brief als Dank für unseren Beitrag erhielt. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn man als Geschäftsführer eines Berufsverbands einen solchen Brief bekommt.

Abgesehen davon finanzieren unsere Mitglieder die VGT. Bei 23 Mitgliedern und sechs Mitarbeitern in unserem VGT-Büro sprechen wir über eine beträchtliche Geldsumme. Es ist also wichtig, dass wir etwas bewirken. Ich bin stolz darauf, dass unsere Mitglieder in der Arbeit des VGT weiterhin einen Mehrwert sehen und uns ihr Vertrauen schenken.

 

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